Erschüttert über den tragischen Tod des kleinen Florian musste ich mich neu dieser Frage stellen.
Viele Gedanken wirbelten in meinem Kopf über dieses unfassbare Unglück. Frühere Antworten tauchten auf, um neu geprüft und auch verworfen zu werden. Neue Gedanken mussten den Weg zu mir finden.
Da ich gerade das Buch Hiob las – mit gemischten Gefühlen - hatte ich mich Schritt für Schritt durch die Diskussion um Schuld und Ursache gemüht. Dennoch konnte ich mich nicht erwehren, zu fragen: „Hätte Gott es doch verhindert! Warum nicht?“ Und die zweite noch quälendere Frage: „Wer hätte es verhindern sollen?“ Oder dann: „War es etwa Gottes Wille? Und wie ist dann Gott in meinen Augen? Gut?“ „Kann die Mutter des kleinen Kindes von diesem Schmerz noch geheilt werden?“ „Was ist meine Verantwortung? Kann ich trösten? Doch nicht so wie die Freunde von Hiob! Oder besser nichts sagen? Nicht tun?“
Zuerst weinte ich dann erst einmal lang …..
Dann besann ich mich auf ein Kapitel des Propheten Jesaja (Kapitel 52:13-Kapitel53):
13 So spricht der Herr: «Mein Bote wird seine Aufgabe erfüllen. Er wird eine überragende Stellung erlangen und hoch geehrt sein. 14 Viele waren entsetzt, als sie ihn sahen. Denn in der Tat: Er war völlig entstellt und kaum mehr als Mensch zu erkennen. 15 Dann aber werden viele Völker über ihn staunen, sprachlos werden die Könige dastehen. Gerade die sollen ihn sehen, denen er nicht angekündigt war, und die noch nichts von ihm gehört haben, werden ihn begreifen!»
1 Doch wer glaubt schon unserer Botschaft? Wer erkennt, daß Gott es ist, der diese mächtigen Taten vollbringt? 2 Der Herr ließ seinen Boten emporwachsen wie einen jungen Trieb aus trockenem Boden. Er war weder stattlich noch schön. Nein, wir fanden ihn unansehnlich, er gefiel uns nicht! 3 Er wurde verachtet, von allen gemieden. Von Krankheit und Schmerzen war er gezeichnet. Man konnte seinen Anblick kaum ertragen. Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet. 4 Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm; er erlitt die Schmerzen, die wir hätten ertragen müssen. Wir aber dachten, diese Leiden seien Gottes gerechte Strafe für ihn. Wir glaubten, daß Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte. 5 Doch er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Der Herr aber lud alle unsere Schuld auf ihn. 7 Er wurde mißhandelt, aber er duldete es ohne ein Wort. Er war stumm wie ein Lamm, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Schaf, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Man hörte von ihm keine Klage. 8 Er wurde verhaftet, zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet. Niemand glaubte, daß er noch eine Zukunft haben würde. Man hat sein Leben auf dieser Erde ausgelöscht. Wegen der Sünden meines Volkes wurde er zu Tode gequält! 9 Man begrub ihn bei Gottlosen, im Grab eines reichen Mannes, obwohl er sein Leben lang kein Unrecht getan hatte. Nie kam ein betrügerisches Wort über seine Lippen. 10 Doch es war der Wille des Herrn: Er mußte leiden und blutig geschlagen werden. Wenn er mit seinem Leben für die Schuld der anderen bezahlt hat, wird er Nachkommen haben. Er wird weiterleben und den Plan des Herrn ausführen. 11 Wenn er dieses schwere Leid durchgestanden hat, sieht er wieder das Licht und wird für sein Leiden belohnt. Der Herr sagt: «Mein Bote kennt meinen Willen, er ist schuldlos und gerecht. Aber er läßt sich für die Sünden vieler bestrafen, um sie von ihrer Schuld zu befreien. 12 Deshalb gebe ich ihm die Ehre, die sonst nur mächtige Herrscher erhalten. Mit großen Königen wird er sich die Beute teilen. So wird er belohnt, weil er den Tod auf sich nahm und zu den Verbrechern gezählt wurde. Doch er hat viele von ihren Sünden erlöst, denn er ließ sich für ihre Verbrechen bestrafen.»
Beides, die Schuld und der Schmerz, werden vom Knecht Gottes getragen und am Ende sieht er das Licht und hat viele Nachkommen. Er trug unseren Schmerz und unsere Schuld. Da erübrigt sich die Frage, wer wo Schuld ist und wer was gutmachen muss. Denn ER trät alles und macht alles gut. Dieses Vertrauen, dass ER alles bezahlt, ist Vergeben (sich selbst und anderen) und Frieden finden.
Hiob erlebt am Ende eine Begegnung mit Gott. Da sagt Gott gar nichts über Schuld. Nur dass er größer ist als Hiob und Hiob ihm vertrauen soll. Hiob anerkennt das. Seine Aussage:
1 Da antwortete Hiob: 2 «Herr, ich erkenne, dass du alles zu tun vermagst; nichts und niemand kann deinen Plan vereiteln. 3 Du hast gefragt: ‘Wer bist du, dass du meine Weisheit anzweifelst mit Worten ohne Verstand?’ Ja, es ist wahr: Ich habe von Dingen geredet, die ich nicht begreife, sie sind zu hoch für mich und übersteigen meinen Verstand. 4 Du hast gesagt: ‘Hör mir zu, jetzt rede ich, ich will dich fragen, und du sollst mir antworten!’ 5 Herr, ich kannte dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen! 6 Darum widerrufe ich meine Worte, ich bereue in Staub und Asche!»
Als er für seine Freunde betet, wendet Gott sein Geschick. Er bekommt alles doppelt und lebt ein langes, erfülltes Leben.
Jesus greift in der Geschichte des armen Lazarus und des Reichen wieder das Thema von Hiob auf, meiner Meinung nach, nicht nur, aber auch. Nur legt er hier die Zeit des Segens, der alles entschädigt, in die Zeit nach dem physischen Tod, also nicht mehr in die hier und jetzt erfahrbare Sphäre. (Lukas 16)
Lukas 1620 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren 21 und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. 22 Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß.
Wie gut, dass das Beispiel von Hiob es uns im „Diesseits“ sichtbar macht, wie Gottes Gedanken sind. Sonst würden wir den Ernst von Jesu Worten über Lazareus vielleicht nicht begreifen und an billige Vertröstung denken. Doch für seine Zuhörer damals war es sicher der Inbegriff höchster Seeligkeit, im Schoß von Abraham in seiner vollen Aufmerksamkeit zu ruhen – ein Trost, der entschädigte. Das war es sicher wert.
Weiter sagt Jesus über sein eigenes Leiden und das seiner Jünger:
Joh. 12: 24 Hört mir genau zu: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, kann keine Frucht bringen, sondern bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt. 25 Wer sein Leben über alles liebt, der wird es verlieren. Wer aber bereit ist, sein Leben vorbehaltlos für Gott einzusetzen, wird es für alle Ewigkeit erhalten. 26 Wer mir dienen will, der soll mir auf diesem Weg folgen. Denn wo ich bin, soll er auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren.» (Hoffnung für alle Übersetzung)
und (Johannes 15):
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.Frucht bringen! Das ist die Gelegenheit, in der Liebe zueinander zu wachsen. In der Liebe zu Jesus zu reifen. Ihm unser Vertrauen zu schenken. Das Lob Gottes angesichts des Leides zu beten.
Ich habe da ein Gebet aus Israel gefunden:
Deutsche Übersetzung:
„Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von Ihm erschaffen wurde – sein Reich erstehe in eurem Leben in euren Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel, schnell und in nächster Zeit,
sprecht: Amen!
Sein großer Name sei gepriesen in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten. Gepriesen und gerühmt, verherrlicht, erhoben, erhöht, gefeiert, hocherhoben und gepriesen sei der Name des Heiligen, gelobt sei er, hoch über jedem Lob und Gesang, jeder Verherrlichung und Trostverheißung, die je in der Welt gesprochen wurde,
sprecht Amen.
- Fülle des Friedens und Leben möge vom Himmel herab uns und ganz Israel zuteil werden,
- sprecht Amen.
- Der Frieden stiftet in seinen Himmelshöhen, er stifte Frieden unter uns und ganz Israel, sprecht Amen.“
– Quelle: Text und Übersetzung
Ich fragte: „Warum ist das jetzt passiert?“ Ich habe keine Antwort. Gott weiß. Und ich kann nichts sagen. Wie Hiob.
Ich leide mit und ich liebe Euch, die ihr leidet.